MakeMeMatter
Berlin ist die Hauptstadt der darstellenden Künste. Ob Schauspieler, Artistinnen, Tänzer und Sängerinnen, Kostümbildner und Dramaturginnen – immer mehr Akteure in den darstellenden Künsten sind dabei freischaffend, stehen in verschiedenen, auch berufsfernen Arbeitsverhältnissen oder sind arbeitssuchend. Spätestens dann, wenn die Kunst auch Broterwerb ist, stellt sich die Frage nach dem Theatermarkt und der eigenen Positionierung, also nach praktisch-ökonomischen Tätigkeiten. Gleichzeitig besteht jedoch bei vielen Akteuren der darstellenden Künste ein grundlegendes Misstrauen gegenüber jeglichen Ökonomisierungstendenzen im eigenen Feld. Beides – den Markt und den Zweifel – gilt es ernst zu nehmen.

Lehrforschungsprojekt
Vor dem Hintergrund gegenwärtiger Arbeitssituationen der Akteure in den darstellenden Künsten begleitete das Lehrforschungsprojekt „M³ MakeMeMatter – Alternatives Wirtschaften und Social Media für Darstellende Künste” am UdK Berlin Career College mit individuell konzipierten Weiterbildungsformaten Künstlerinnen und Theatermacher bei der Vermittlung ihrer künstlerischen Arbeit. Geht es im klassischen Marketing primär um die Profit- und Absatzmaximierung durch genaue Analyse der potenziellen Kundinnen und Kunden sowie um die Erweckung neuer Bedürfnisse nach Produkten und Dienstleistungen, war MakeMeMatter auf der Suche nach Strategien, die dem Markt der darstellenden Künste mit seinen Besonderheiten tatsächlich entsprechen. Alternatives, nachhaltiges und kollektives Wirtschaften ist für viele Akteure der Darstellenden Kunst als kollektive und oftmals durch öffentliche Gelder geförderte Kunstform bereits Praxis. Aus diesem Grund wurden in den Weiterbildungsformaten alternative Wirtschaftsformen thematisiert und diese gleichzeitig zur Diskussion gestellt. In den Weiterbildungsangeboten war darüber hinaus die Kommunikation mittels Social Media und die damit einhergehende Lebenskultur ein wichtiges Thema. Die Angebote beantworteten auf vielfältige Weise die Fragen: Was ist der Nutzen dieser Kommunikationswege und wie können diese sinnvoll für das Feld der darstellenden Künste zum Einsatz kommen?

Konzept des Slow-Marketings
MakeMeMatter war als Lehrforschungsprojekt angelegt. Dem Beginn des Weiterbildungsangebotes ging eine Forschungsphase voraus, in der sowohl die Akteure in den darstellenden Künsten eingehend befragt als auch Experteninterviews durchgeführt wurden. Im Laufe dieser Forschungen verdichtete sich die These unseres Projektes: Die Kunstschaffenden im Bereich des Theaters agieren bereits auf vielfältige Art und Weise ökonomisch, doch diese Formen des ökonomischen Handelns sind im gegenwärtig dominanten Marketingdiskurs nicht vertreten. MakeMeMatter entwickelte deshalb ein Slow-Marketing-Konzept, das von den konkreten Situationen und Bedürfnissen der Kunstschaffenden und ihrer künstlerischen Arbeit ausgeht. Slow Marketing verkauft nicht Kunst und Kunstschaffende, sondern ermöglicht Kunst als Broterwerb.

Weiterbildungsformate
MakeMeMatter hat sich als Lehrforschungsprojekt intensiv mit der Entwicklung neuer Formate der Weiterbildung beschäftigt, die sich an folgenden Grundsätzen orientieren:

  • Co-Kreativität: Teilnehmende und Forschende gestalteten gemeinsam einen Lernprozess.
  • Flexibilität: Die Kursangebote wurden an das Teilnehmerprofil jedes Kurses angepasst.
  • Medialität: Online-Formate, Social-Media-Formate und Präsenzveranstaltungen wurden in sinnvoller Weise kombiniert.
  • Kontinuität, Projektbezogenheit und Begleitung: Neben Schwerpunkten zu einzelnen Themenbereichen wurden die Teilnehmenden über die gesamte Kursdauer bei der Arbeit an ihrem Projekt begleitet.
  • Partizipation: Die Kursteilnehmenden konnten über Feedback und Intervention auf die Kursgestaltung Einfluss nehmen.
  • Konzentration: Über zusätzliche Einzelberatungsangebote konnten die Teilnehmenden ausgewählte Themengebiete individuell und vertiefend behandeln.
  • Teilen: Die Kursangebote zielten darauf ab, dass die Teilnehmenden in einen Austausch treten, nicht allein über die Kursinhalte, sondern auch über ihre alltäglichen Erfahrungen als freischaffende Kunstschaffende.


Vernetzung und Nachhaltigkeit
MakeMeMatter zielte auf eine Vernetzung der Teilnehmenden und Lehrenden.
In seiner innovativen Kursgestaltung konnte das Projekt auf die jahrelange Forschungs- und Praxiserfahrung des Lehrforschungsprojekts DigiMediaL_musik zurückgreifen, das professionelle Musikerinnen, Musiker sowie Akteure aus der Musikwirtschaft mit einem adäquaten berufsbegleitenden Weiterbildungsangebot unterstützt: www.digimedial.de. Außerdem wurde MakeMeMatter von Expertinnen und Experten aus verschiedenen Fakultäten der UdK Berlin unterstützt.

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